Systemische Autoimmunerkrankung SLE bei Hunden

Systemischer Lupus Erythematodes (SLE) bei Hunden

Systemischer Lupus Erythematodes (SLE) ist eine Multisystem-Autoimmunerkrankung, die durch die Bildung von Antikörpern gegen eine breite Palette von Selbstantigenen (antikörperproduzierenden Substanzen) und zirkulierenden Immunkomplexen gekennzeichnet ist. In einfachen Worten ausgedrückt ist SLE eine Erkrankung bei Hunden, in der das Immunsystem des Körpers übermäßig stark verteidigt ist. Die Zellen, Organe und Gewebe des eigenen Körpers werden dabei vom Immunsystem des Hundes angegriffen, als ob es Krankheiten sind, die zerstört werden müssen.

Die Gefahr beim Systemischen Lupus Erythematodes (SLE) liegt darin, dass im Krankheitsverlauf jedes Organ und Organsystem befallen und schwer geschädigt werden kann. Dementsprechend erhöht die das Risiko von Multiorganversagen. Durch frühzeitige Erkennung und Medikamente ist es heute möglich, diese Hundekrankheit zu behandeln und das SLE-Vollbild zu vermeiden.

Bei SLE werden die hochgradigen zirkulierenden Antigen-Antikörper-Komplexe (Typ-III-Hypersensitivität) in der glomerulären Basalmembran (dem Filtrationsanteil der Niere), der Synovialmembran (das Weichgewebe, das den Oberflächenraum innerhalb von Gelenken wie dem Handgelenk, Knie, etc.) und in der Haut, Blutgefäßen und anderen Stellen im Körper gebildet. Dabei können auch Antikörper, die auf Selbstantigene gerichtet sind, die sich auf und innerhalb von Zellen befinden, wie Erythrozyten, Leukozyten und Blutplättchen (drei Arten von Blutzellen mit Typ II Überempfindlichkeit) vom Organismus des Hundes produziert werden. In geringerem Maße kann die Typ-IV-Überempfindlichkeit des Hundes auch beteiligt sein, wenn die zellvermittelte Immunität gegen ein Selbstantigen gerichtet ist.

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Welche Hunderassen besonders von SLE betroffen sind

SLE ist eine seltene Erkrankung bei Hunden. Die Wissenschaft nimmt jedoch an, dass diese Erkrankung in der Praxis unterschätzt wird. Einige der Rassen, die besonders an SLE erkranken können, sind Shetland-Schäferhunde, Collies, Deutsche Hirtenhunde, Alte Englische Schäferhunde, Afghanische Jagdhunde, Beagles, Irische Setter und Pudel. SLE wurde als eine Erbkrankheit in einer Kolonie von deutschen Züchtern gemeldet. Das mittlere Alter bei der Erkrankung liegt bei sechs Jahren, jedoch kann die Krankheit in jedem Alter auftreten. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle.

Symptome und Typen

Die klinischen Symptome hängen von der Lokalisation der Immunkomplexe, zusammen mit der Spezifität der Autoantikörper ab. Jedoch können genetische, ökologische, pharmakologische und infektiöse Faktoren eine Rolle bei der Erscheinung von klinischen Zeichen wie Lethargie, Appetitlosigkeit (Anorexie) und Fieber spielen, was besonders in der akuten Phase zu sehen ist. Weitere Symptome der Erkrankung sind:

Muskulatur

  • Ablagerung von Immunkomplexen in den Synovialmembranen (das Weichgewebe, das die Oberflächen innerhalb der Gelenke auskleidet)
  • Geschwollene und / oder schmerzhafte Gelenke. Hiervon sind die meisten Patienten betroffen.
  • Lähmungen der Beine
  • Muskelschmerzen oder -schwund

Haut

  • Ablagerung von Immunkomplexen in der Haut
  • Hautläsionen
    Symmetrische oder fokale Hautläsionen wie Rötung, Skalierung, Geschwüre, Depigmentierung und / oder Haarausfall
  • Auch die Ulzeration von mukokutanen Übergängen und der Mundschleimhaut kann sich entwickeln. Dies sind Hautregionen, die sowohl Schleimhaut als auch Körperhaut umfassen. Meist treten diese Veränderungen in der Nähe der Körperöffnungen auf, an denen die äußere Haut endet und die Schleimhaut das Innere des Körpers abdeckt (z.B. Mund, Anus , Nasenlöcher).

Nieren / urologische Symptome

  • Ablagerung von Immunkomplexen in der Niere
  • Hepatosplenomegalie – Vergrößerung der Niere und der Leber

Blut / Lymphe / Immunsystem

  • Autoantikörper gegen Erythrozyten, Leukozyten oder Blutplättchen (rote und weiße Blutkörperchen)
  • Lymphadenopathie – geschwollene Lymphknoten
  • Andere Organsysteme können ebenfalls betroffen sein, wenn es Ablagerungen von Immunkomplexen oder Antikörpern gibt oder wenn T-Zellen (Lymphozyten) angegriffen werden.

Krankheitsursachen

Die endgültigen Ursachen für SLE sind noch nicht bekannt. Jedoch scheint ultraviolettes Licht beim Ausbruch der Krankheit eine Rolle zu spielen.

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Diagnose SLE beim Hund

Zur Diagnose von SLE muss ein großes Blutbild erstellt werden, einschließlich eines chemischen Blutprofils und einer Urinanalyse. Der Tierarzt benötigt zugleich Informationen zur Krankheitsgeschichte des Hundes sowie zur Entstehung der Symptome. Sind diese Krankheitssymptome nacheinander aufgetreten oder alle zugleich? Leidet der Hund an Schmerzen in den Gelenken, Nierenentzündungen, Hautläsionen, Abbau von roten Blutkörperchen, einer niedrigen Thrombozytenzahl und allgemeiner Körperschwäche, so sind dies alles Anzeichen, die Ihren Tierarzt auf die Wahrscheinlichkeit von Systhemischen Lupus Erythematodes aufmerksam machen.

Behandlung der SLE bei Hunden

Zu Beginn der Behandlung kann eine stationäre Aufnahme notwendig sein. Vor allem dann, wenn sich der Hund bereits in einem Zustand der hämolytischen Krise befindet. In dieser werden die roten Blutkörperchen vom Immunsystem zerstört. In den meisten Fällen ist jedoch die ambulante Behandlung ausreichend, vor allem dann, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt wird.

Lebensgewohnheiten und Ernährung

Während der Behandlung benötigt der Hund viel Ruhe. Lebendige Tiere müssen dabei zur Ruhe gezwungen werden, vor allem während Phasen starker Gelenkschmerzen. Mitunter ist es hilfreich, den Hund während dieser Perioden zu Hause in einen Zwinger oder einen Käfig zu Hause zu bringen, bis er sich wieder ohne Überanstrengungen sicher bewegen kann. Helles Sonnenlicht sollte vermieden werden, dementsprechend sind die Spaziergänge und Gassirunden zu planen. Der späte Nachmittag und frühe Abend ist weniger intensiv an UV-Strahlung, welche die Krankheit verstärkt.

Wenn bei der Erkrankung auch die Nieren betroffen sind, wird Ihr Tierarzt eine nierenschonende, proteinarme Diät empfehlen.

Medikamente

Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die für die Behandlung von SLE verwendet werden können. Hierzu zählen immunsuppressive Medikamente, welche die Reaktion des Immunsystems reduzieren sowie Kortikosteroide zur Behandlung der Entzündung in den Lymphknoten. Ihr Tierarzt wird die Medikamente verschreiben, die am besten geeignet sind, das spezifische Krankheitsbild bei Ihrem Hund zu behandeln.

Prävention

Hunde, in deren Stammbaum Fälle von Systhemischen Lupus Erythematodes aufgetreten sind, sollten nicht zur Zucht eingesetzt werden.

Hunde mit Systhemischen Lupus Erythematodes im Alltag

Der Systhemische Lupus Erythematodes bei Hunden ist eine langwierige Erkrankung, deren Entwicklung im Verlauf nicht präzise vorhergesagt werden kann. Sehr wahrscheinlich wird eine langfristige Behandlung mit immunsuppressiven Medikamenten erforderlich sein. Diese Medikamente kommen oftmals mit Nebenwirkungen einher, die zugleich therapiert werden müssen. Zu Beginn der Therapie wird eine regelmäßige, mitunter wöchentliche, Vorstellung beim Tierarzt notwendig sein, um den Erfolg der Therapie sowie womöglich auftretende schwere Nebenwirkungen unmittelbar zu erkennen.

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